Exkursion 15.09.2000

Themenkreis: Regionale Produkte

Kartoffeltag-Tag der ArGe Naherholung

Ein Streifzug durch Produktion, Verarbeitung und Geschichte der Kartoffel

Mit dem diesjährigen Kartoffeltag setzt die ArGe-Naherholung die Reihe Regionale Produkte  fort. Nachdem im Vorjahr die Zuckerrübe Inhalt einer ausführlichen Informationsveranstaltung war, beschäftigte man sich am 15.September mit der Kartoffel.

Betriebsbesichtigung Scheuerer, Pullach

27 Personen folgten der Einladung zur Besichtigung des Anwesens Scherer in Pullach. Der heute 160ha große Scheuerer-Hof blickt auf eine lange Vergangenheit zurück und kam im Jahr 1830 für damals 12000 Gulden in den Besitz der Familie. Der ehem. Kirchliche Besitz  fiel durch die Säkularisation 1803 dem Staat zu und wurde, wie viele andere große Gehöfte, kurz darauf „privatisiert“.

1901 wurde auf grund eines Erbfalles die Brennerei gebaut und es wurde der Familie Scheuerer das Brennrecht für 200 hl Brandwein verleihen, dass im Auftrag des Staates ausgeübt wird. 1940 hatte der Hof ca. 40  Beschäftigte.

Doch die Zeiten ändern sich und dies wird besonders in der Landwirtschaft deutlich. Wo vor 60 Jahren 40 Personen beschäftigt waren, arbeiten heute noch drei. Wo früher Dippelmaschine und Häufelpflug bei der Aussaat und der Schleuderroder bei der Ernte üblich waren, sind heute hoch-technisierte Maschinen im Einsatz. Begonnen hat die rapide Technisierung der Landwirtschaft Ende der 40er, als die Abwanderung der Arbeitskräfte in die Industriezentren eine Automatisierung zwingend nötig machte. Und die Entwicklung schreitet weiter voran. Große Vollernter, vergleichbar mit den Zuckerrübenerntern sind auf dem Vormarsch, doch ist die Ernte der Kartoffel noch nicht so gut organisiert und technisch perfektioniert wie die der Zuckerrüben. Hier ist wohl noch eine Entwicklung von ca. 5 Jahren abzuwarten, so meint Frau Scheuerer.

Wo früher 70 Kühe standen (bis 1972) befindet sich heute das klimatisierte Saatkartoffellager, auch hier hat bereits der Computer die Klimasteuerung übernommen.

Größe und Qualität der Kartoffel hängt eng mit den Verbraucherwünschen und den Anforderungen der Industriellen Verarbeiter zusammen. Ebenso ändern sich die angebauten Sorten und deren Ansprüche an Düngung und Pflanzenschutz. Will der Verbraucher kleine Kartoffeln, so braucht man sich nicht zu wundern wenn verstärkt das Kraut abgespritzt wird, um das Wachstum der Knollen zu stoppen.

1960 wurde ein hochmodernes Kartoffellagerhaus am Hof errichtet. Ein ausgeklügeltes System an Stollen und Schächten sorgt einerseits für die Belüftung der Lagerkartoffeln, andererseits wird die Lagerware über diese Stollen zur Brennerei geschwemmt

Der 71 jähr. Brennmeister erklärte uns daraufhin die Vorgänge der Kartoffelschnapsherstellung.

Bei einem guten Stärkegehalt von ca 20% erhält man aus 50 Ztr Kartoffel rund 320l Alkohol (65%ig). Der Brennvorgang ist in mehreren Schritten durchzuführen. Waschen, Dämpfen, dann Abkühlen unter Zugabe von Enzymen zur Verflüssigung wobei sich die Stärke in Zucker umwandelt. Dieser wandelt sich durch die folgende Hefegährung in Alkohol um. Das Anschließende Destillieren trennt den Alkohol vom Rest der Schlempe. Wurde diese früher in den Kuhstall zum Füttern gepumpt wandert sie heute, wegen Mangels an Abnehmern „auf den Mist“  .

Das Dämpfen und Destillieren sind sehr energieintensive Arbeitsschritte, so daß man für ca 100l Alkohol rund 50l Heizöl rechnen muß, bei den heutigen Heizölpreisen ist die Zukunftsangst die Brennerei betreffend verständlich. Insbesondere, da die Abnahmegarantie für Brandwein schwankt und die benötigten  Kartoffeln im Frühjahr angebaut werden müssen und erst im Spätherbst die Kontingentierung erfolgt. Das Brennrecht wird von Vertrag zu Vertrag weniger, da die ausländischen Einfuhren billiger sind, so daß die Brennerei heute nur zu 60% ausgelastet wird. Die Unsicherheit der Landwirte durch zu späte und wechselnde Abnahmequoten lassen verständlicherweise eine Investition, z.B. Biogasanlage, in die bestehenden Anlagen nicht zu. So verfeuert die Brennerei weiterhin Heizöl und jeder kann sich bei den derzeitigen Ölpreisen ausrechnen, welchen Ertrag die Brennerei dieses Jahr, im Vergleich zum Vorjahr, erwirtschaften kann.

Die Führung durch den Betrieb nutzte Frau Scheuerer um die Besucher auf die aktuelle Situation der bayerischen Landwirtschaft hinzuweisen und unterlegte ihre Ausführungen mit eindrucksvollen Statistiken:

Preisvergleich – Arbeitslöhne, Brot- und Weizenpreise

Löhne und Preise Einheit 1950 1960 1970 1980 1990 1998
Arbeitslohn 
Industriearbeiter  
netto
DM je Std 1,27 2,48 5,24 10,77 15,89 20,63
Brotpreis 
Dunkles Mischbrot
DM je kg 0,51 0,85 1,31 2,60 3,39 4,16
 Weizenpreis 
Erzeugerpreis brutto
DM je kg 0,33 0,41 0,39 0,50 0,38 0,23

Quelle: DBV,Argumente 2000

Zum Abschied bedankten sich alle für die interessante Führung und das Säckchen Speisekartoffeln das jeder mit nach Hause nehmen konnte. Arbeitsgruppenleiter Rainer Pasta überreichte zum Schluß der Familie Scheuerer das aktuelle Labertalerlesebuch der ArGe-Naherholung als kleine Erinnerungsgabe.


Stärkefabrik Sünching

Zur zweiten Station des Kartoffeltag-Programms, der Besichtigung der Südstärke AG in Sünching erhöhte sich die Besucherzahl um sieben auf nun 34 Personen. Gegen 17°° gegrüßte Herr Dörr die Besucher in der Stärkefabrik. Zuerst wurden die Besucher über die bewegte Geschichte des Sünchinger Werkes informiert. Seit seiner Entstehung 1916, als Gemüsetrocknungsanlage, entwickelte sich das Werk über die Kartoffelflockenfabrik (1919) zur Stärkefabrik 1949. Prädestiniert war der Standort Sünching durch  den Eisenbahnanschluß (Energieträger Steinkohle)  und die trockenen Ackerlagen rund um Sünching. In den Notjahren der Kriegs- und Nachkriegszeiten kam die Produktion ,mehrmals zum erliegen. Dies hatte damit zu tun, daß die zu verarbeitenden Kartoffel nur als Überschuß aus der Speise – und Futterkartoffelproduktion nach Sünching kamen. Gab es keine Überschüsse, dann gab es auch keine Stärkeproduktion. Nach einer turbulenten Zeit mit wechselnden Besitzern und einer unsicheren Zukunft, ergab sich in den siebziger Jahren durch den Vertragsanbau eine gesicherte Produktionsmenge und ein stabiler Kapitalstock durch die Beteiligung der liefernden Landwirte. Im Laufe der Zeit erhöhte sich deren Beteiligung auf 81%. Erst durch den Zusammenschluß der beiden bayerischen Werke Sünching und Schrobenhausen war ein weiterbestehen gesichert.

Im Kontrollzentrum

Neue Investitionen in Produktionsanlagen und Lagersilos in den Neunzigern sicherten den Fortbestand der Stärkefabrik in Sünching. So konnte die Produktion seit 1993, bei gleichem Personalstand verdoppelt werden. Es beliefern z.Z. 1022 Landwirte die Fabrik mit ca 349.000 t Kartoffeln pro Jahr. Diese menge wird, bei einem Ertrag von 350-500t/ha auf rund 9200 Hektar angebaut. Die Lieferregion umfaßt die Landkreise Regensburg, Schwandorf (ca 30%), die Landkreise Straubing- Bogen, Deggendorf und Dingolfing/ Landau (ca 60%) . Der Rest kommt aus dem Landkreis Ebersberg per LKW nach Sünching. Hierbei handelt es sich um Liefermengen aus den ehemaligen Pfanni-Lieferrechten.

Mit je 14.000 t  sind die Gemeinden Aiterhofen und Geiselhöring die größten Anbaugebiete. Die Lieferkontingente betragen im Schnitt ca 3400 t. Die Kartoffel-Kampagne dauert von Mitte August bis Weihnachten. Dabei werden täglich 3000 t im Just-in-time-Verfahren angeliefert. Die Landwirte müssen ihre Liefertermine auf die Stunde genau einhalten. Erst 24% der Kartoffeln werden von Transportgemeinschaften angeliefert und wir alle kennen den schier endlosen Zug der abenteuerlichsten Gespanne die sich sternförmig auf Sünching zu bewegen.

Bei der Verarbeitung ist Eile geboten, da die Kartoffel aus ca. 80% Wasser besteht und damit sehr frostempfindlich und leicht verderblich ist. Die schwierige Verarbeitung wird durch EU-Ausgleichszahlungen abgemildert, so daß die Kartoffelstärke gegenüber den leichter verarbeitbaren Mais- und Weizenprodukten konkurrenzfähig bleibt. Das fertige Produkt die Stärke, ein wichtiger nachwachsender Rohstoff findet in den verschiedensten Bereichen des täglichen Lebens Verwendung. Neben der Papierindustrie verarbeitet die Kartoffelstärke natürlich die Nahrungsmittelindustrie, aber auch die Pharmazie. Ob Lacke, Zuckerwaren, Liköre oder Tabletten, überall ist Kartoffelstärke ein wichtiger Inhaltsstoff.

Nach den ausführlichen theoretischen Erklärungen führte Herr Dörr die Besuchergruppe nun in die Produktionsanlagen, wo sie den Weg der Kartoffel von der Anlieferung bis zur Verpackung der Stärke verfolgen konnte. Nach dem „Einchecken“ der Lieferfahrzeuge werden die Kartoffeln abgekippt und von jeder Fuhre Proben gezogen um die Qualität, Sauberkeit und den Stärkegehalt zu ermitteln. Besonders Wert wird auf die Sorgfalt bei der Ernte und der Reinigung der Kartoffeln gelegt. Hier raus ermittelt sich der Ertrag des Landwirtes für sein Produkt: Stärkekartoffel.

Nun werden die Kartoffeln in der Erdtrommel vom restlichen Erdreich befreit , daraufhin kommt die Ware in das frostsichere Kartoffellager mit einem Fassungsvermögen von ca. 7800 t, gerade der Menge um die Produktion über das Wochenende aufrecht zu erhalten. Nun werden sie durch die

Schwemme in die Waschstraße transportiert, wobei sie einen Elektromagneten passieren, der mit gelieferte Eisenteile absondert. Alte Hufeisen oder geschmiedete Nägel finden sich im Abscheider ebenso wie neuere Bruchstücke aus den Erntemaschinen.

Über Laufbänder wandern die Knollen zur Zerkleinerung, wo nach sie schrittweise „Entsaftet“ werden. Die anfallenden Feststoffe, die „Pülpe“ wird zur Viehfütterung abgeholt, oder in der Werkseigenen Biogasanlage verarbeitet. Aus der anfallenden Stärkemilch wird durch Vakuumfilter und Trocknung die Kartoffelstärke (Kartoffelmehl) gewonnen. Die wichtigsten  Qualitätsmerkmale der Stärke sind: Geschmacklosigkeit, Geruchlosigkeit und Neutralität. Schon diese sogenannte native Stärke findet ihre Abnehmer. Die Weiterverarbeitung zu Quellstärke (für Instantprodukte) oder Derivate verbreitert das Angebot der Sünchinger Stärkefabrik. Die Absatzmärkte reichen von Süd- und Osteuropa, über den vorderen Orient und Nordafrika bis nach Thailand oder Indonesien.

Beim Thema Umweltschutz ist vor allem der hohe Wasserverbrauch (1,4 cbm Frischwasser / t) der aus 4 eigenen Brunnen gedeckt wird, zu nennen. Aber auch die Abwässer (Wasch- und Prozeßwasser) und deren Entsorgung sind relevant. Die neue Düngemittelverordnung hätte zur Folge gehabt, daß die bisher durchgeführte Verregnung der Abwässer auf den umliegenden Feldern ( 80 km Pipeline im Umkreis von 15km) auf der doppelte Fläche hätte durch geführt werden, müssen um die Kali- und Stickstoffbelastung der Äcker und damit des Grundwassers zu minimieren. So beschreitet die Stärkefabrik Sünching neue Wege bei Biogasproduktion und Abwasserklärung. So wurden in Sünching 50 Millionen D-Mark in den Umweltschutz in den letzten Jahren investiert.

Zum Schluß erhielten die Teilnehmer eine „Stärkepackung“ zum Mitnehmen, nämlich eine Packung der Hausmarke „Toffena“-Kartoffelmehl die als Auslaufmodell in Sünching noch zu haben ist. Als Dank für die Führung bekam Herr Dörr abschließend das Labertaler Lesebuch überreicht.


Kartoffel-Buffet

Zum dritten  Teil der Veranstaltung konnten weitere Gäste begrüßt werden. Unter anderem die Kreisbäuerin Frau Margarete Stadler und Kreisrat Leo Heinrich, sowie Joseph Zellmeier, Altbürgermeister aus Laberweinting. Nach den sehr informativen Besichtigungen sollte im nächsten Programmteil das leibliche Wohl und die Unterhaltung nicht zu kurz kommen. Als erstes wurden die Gäste durch ein reichhaltiges Buffet mit bayerischen Kartoffelgerichten überrascht. Die Wirtsleute Karl in Wallkofen waren erst sehr erstaunt über das Ansinnen der ArGe zum Abendvortrag lediglich Kartoffelgerichte zu präsentieren, doch wurde mit köstlichen Maultaschen, Fingernudel, Kartoffel-suppe, Kartoffelkäsbroten und vielen anderen Schmankerln aus der interessanten Knolle das Kartoffel-Buffet zum Erfolg. Es ist zu hoffen, daß beim Karlwirt in Wallkofen nun regelmäßig zu Kartoffelgerichten geladen wird.

  

Nach dem sich alle gestärkt hatten und man dem einen oder anderen ansah, daß er  schon lange auf solche Delikatessen verzichten hat müssen, kam man nun zum Höhepunkt des Tages, dem

Vortrag von Dr. Manfred Munzert zum Thema „Interessantes zur Kartoffel“

Beiratsvorsitzender Dr. Willi Feldmeier begrüßte den Gast, Leiter der Abteilung Versuchs- und Untersuchungswesen und Informatik an der Bayerischen Landesanstalt für Bodenkultur und Pflanzenbau in Freising, recht herzlich und erzählte wie er Herrn Munzert auf einer Studienreise in Peru, dem Herkunftsland der Kartoffel, kennen gelernt hat. Das Thema Kartoffel ließ nicht nur beim Beiratsvorsitzenden Kindheitserinnerungen an Kartoffelkäfer, Kartoffelfeuer usw. aufkommen, so daß Herr Munzert mit seinem Vortrag auf offene Ohren traf.

Der Vortrag begann mit dem Zitat von Friedrich Wollner, daß „es wohl kaum eine landwirtschaftliche Kulturpflanze gibt, die mittelbar oder unmittelbar so stark in die historische  Entwicklung der Völker der ganzen Welt eingegriffen hat wie die Kartoffel. Sie erlebte den Auf- und Niedergang mächtiger Reiche und beeinflusst die Ernährungswirtschaft entscheidend. Ihre Einführung in die Landwirtschaft bewahrte ganze Nationen vor dem völligen Untergang und legte oft in kriegsverheerten Ländern den Grundstein für neuen wirtschaftlichen Aufschwung.“

Die Wiege der Kartoffel steht in Südamerika, den Andenländern Bolivien, Peru, Kolumbien und Chile. Hier hat die Gattung Solanum ca 2000 Arten, von denen rund 150 Knollen tragen. Hier wurden bereits vor 4000-6000 Jahren Kartoffeln feldmäßig angepflanzt.

Mit der Feststellung, daß die Kartoffel die große land- und volkswirtschaftliche Bedeutung inzwischen verloren hat und dennoch nicht auszuschließen sei, daß mit der Biotechnologie ein spannender Teil der Kartoffelstory erst noch geschrieben wird, spannte Dr. Munzert den Bogen von der Vergangenheit in die Zukunft.

Bei seinem mit interessanten Bildern untermaltem Vortrag über die Geschichte der Kartoffel begegnen uns viel bekannte Persönlichkeiten.  So ist dies Francisco Pizzaro und Sir Frances Drake, die beide  im 16.Jhd die Kartoffel aus der neuen Welt in ihre europäischen Heimatländer brachten. Dann der Botaniker Carolus Clusius am Hofe Kaiser Rudolph II in Wien der mit für die Verbreitung der „Taratoufli“ (botanisch: Solanum tuberosum) in den weltlichen und geistlichen Lustgärten sorgte. Hier diente sie als Attraktion und Dokument aus der Neuen Welt. Besonders zu erwähnen ist die Kuriosität, daß die Kartoffel im 17Jhd durch irische Auswanderer über die Bermudas nach Virginia/USA kamen.

Dem „Alten Fritz“ (Friedrich der Große) wurde lange zugesprochen in der Mitte des 18Jhd. den Feldanbau in Deutschland eingeführt zu haben. Doch bereits nach dem 30jähr. Krieg wurde die Kartoffel ausgehend vom fränkischen Ort Pilgramsreuth über das Vogtland, den Frankenwald und die Oberpfalz  verbreitet. Doch kam sie erst Mitte des 18 Jhd. nach Südbayern, Zur gleichen Zeit trieb Friedrich der Große den Anbau in Brandenburg erst freiwillig, dann per Gesetz voran. Natürlich erlitt die Kartoffel, vor allem durch Krautfäulekatastrophen, begleitet von schrecklichen Hungersnöten, herbe Rückschläge. Doch verbesserte Anbauverfahren, Düngung und aufkommender Pflanzenschutz verhalfen ihr zum Durchbruch. Auch der Kartoffelkäfer, erstmals 1875 im Rheinland auftretend sorgte für Ungemach. 1938 befassten sich 1000 Wissenschaftler in Berlin mit diesem gefährlichen Schädling, der heute nur noch den biologischen, also giftfreien Anbauern Probleme bereitet.

Der Erfolgszug der Kartoffel läßt sich , so Dr. Munzert, an den Ertragsstatistiken ablesen.

So wuchsen 1881-85 84,3 dt pro ha, 1936-38  173dt und 1987-89  355dt auf dem Hektar.

"Pasteten hin, Pasteten her,
was kümmern uns Pasteten!
Die Kumme hier ist auch nicht leer
und schmeckt so gut als bonne chére
von Fröschen und von Kröten

Und viel Pastet und Leckerbrot
verderben Blut und Magen.
Die Köche kochen lauter Not,
sie kochen uns viel eher tot;
ihr Herren, laßt euch sagen !

Schön rötlich die Kartoffeln sind,
und weiß wie Alabaster !
Sie verdauen sich lieblich und geschwind,
und sind für Mann und Weib und Kind
ein rechtes Magenpflaster." 

Matthias Claudius (1774)
"Kartoffellied"

Ein Streifzug durch Kunst und Literatur bringt immer wieder das Thema Kartoffel auf den Plan.

Eines der ersten literarischen Zeugnisse stellte Dr. Munzert mit dem Kartoffellied, einem Spottlied des Mathias Claudius (1774) vor.

Über Goethe,Pezoldt zu Tucholsky führten die interessanten Ausführungen. Der Simplizissimus, Hermann Löns, Max Liebermann oder Vincent van Gogh befaßten sich mit der Kartoffel. Selbst Kinder bücher („Kartoffeln wachsen nicht im Keller“) befassen sich mit dem Thema. Mindestens 25 deutschsprachige Kartoffelkochbücher dürfen bei dieser Aufzählung nicht fehlen. Selbst der Playboy befaßte sich im Mai 1990 mit der Kartoffel.

Abschließend befaßte sich Dr. Munzert mit der derzeitigen Situation des Kartoffelanbaues, die die Ex kursionsteilnehmer vor Ort bereits kennen gelernt hatten und faßte mit seinem Schlußgedanken den Kartoffeltag 2000 noch einmal zusammen.

„Die Kartoffel ist ein Geschenk der Neuen Welt an den alten Kontinent. In den ca. 400 Jahren ihres europäischen Daseins war sie ein Segen für die Menschen. 
Wir leben in einer Zeit, in der nur noch ca. 15% des Einkommens für die Nahrungsmittel ausgegeben werden müssen.

..Wir sollten aber nicht den Fehler begehen, Eine der Voraussetzungen war auch, daß es der Landwirtschaft gelungen ist, naturwissenschaftliche Erkenntnisse....zum richtigen Zeitpunkt umzusetzen. Die Kartoffel hat dabei eine ganz große Rolle gespielt. Es kann durchaus sein, daß sie in der Zukunft wieder einmal für das Überleben der Menschen eine besondere Rolle spielt.“  

„ Du wirbelnder Rauch der Kartoffelfeuer,  
Erinnerer an alte, verflossene Zeit,
wie ist nur dein herber Geruch doch so teuer,
du bleibst mir als Jugenderinnerung geweiht.“

H. Löns,“Kartoffelfeuer“

Im Jahr 2001 hat sich die ArGe-Naherholung vorgenommen das Thema Milch und Käse in einem Milch-Tag intensiv zu behandeln. Wir laden Sie dazu schon heute recht herzlich ein.

Rainer Pasta 09-2000