Die Sommerexkursion 2001 
führte die ArGe und den tschech. Partnerverein

in den Nationalpark Bayerischer Wald und zum Schwarzenberger Schwemmkanal in die Šumava

vorgestellt von Arbeitsgruppenleiter Rainer Pasta , Fotos: Pasta

Der Lusengipfel 

Am Nachmittag ging es zum Lusen und man ließ sich von der Nationalparkverwaltung die Entwicklung in den Borkenkäfergebieten erklären. Kontrastreicher konnte das Programm nicht sein. Waren es vorher Baumriesen und dichtes Grün im Urwald, so waren es nun abgestorbene, abgebrochene Bäume, silbrig glänzendes Totholz das einem anfangs den Atem raubte.

Doch wer den Blick von den dürren Wipfeln auf den Boden senkte konnte überall neuen Wald entstehen sehen:  Ebereschen, Fichten, Buchen – klein aber erkennbar und kräftig grün. Im ältesten Teil des Käfergebietes war der neue Wald bereits annähernd 2m hoch und die kahlen Baumleichen verloren mehr und mehr ihren Schrecken.

Borkenkäfer-„Katastrophen“ gehören im Waldgebiet Bayerischer-Böhmischer Wald zur Geschichte. Wurden in vergangenen Jahrhunderten (und heute in Tschechien)

die Wälder geräumt, gerodet und neu aufgeforstet, so geht man im Nationalpark Bayer. Wald einen neuen Weg : „ Natur Natur sein lassen“ ist das Motto des NP. 


Blick in die toten Baumkronen

Erst 1870  Hat ein Orkan große Teile des Böhmerwaldes vernichtet und der Borkenkäfer vermehrte sich explosionsartig.

Die regulierenden Arbeiten brachten eine goldene Zeit für die Waldbewohner wie der nebenstehende Text belegt, aber auch ein Erbe, mit dem die Verantwortlichen heute zu kämpfen haben. So wurden, um die riesigen Flächen im Sumava aufzuforsten aus ganz Europa Fichtensämlinge eingeführt und gepflanzt. Schon bald stellte sich heraus, dass die kleinen Bäume aus  fremdländischer Herkunft mit dem rauhen Klima des Böhmerwaldes nicht zurecht kamen und sich nur zögerlich entwickelten.

Und heute befürchtet man zu Recht, dass eine Borkenkäfervermehrung im Sumava unter diesen standortfremden Bäumen eine weit größere Waldzerstörung verursachen könnte als im Bayerischen Wald – und uns allen ist der Aufschrei der Bevölkerung noch gut in Erinnerung, die um „ihren Wald“ fürchtet.

Aus verschiedensten Gründen hat man in Bayern im Nationalparkgebiet auf die regulierenden Eingriffe (bis auf die Randgebiete zum Schutz der Privatwälder) verzichtet und überlässt den Wald sich selbst.

Die einmalige Chance wird nun genutzt in Mitteleuropa ohne regulierende Eingriffe des Menschen zu erleben und erforschen wie die Natur sich selbst hilft – und immer geholfen hat, denn die Lebensgemeinschaft Wald-Borkenkäfer ist sicherlich um vieles älter als die Geschichte der Menschheit !

Sowohl der Urwald, als auch der Käferwald haben das bekannte Waldbild der Besucher arg durcheinander gebracht – kannten wir vorher doch nur unsere sauberen, aufgeräumten Forste, die in Reihe stehenden, gleichartigen Bäume, keine vermodernden , liegengelassenen Stämme, keinen Unterwuchs in den dichten Schonungen, keine kahlen toten Bäume – so mussten wir nun erleben, dass die Natur mit einer weitaus breitere Palette an Waldsituationen ausgestattet ist und die Abläufe Aufwuchs-Tod-Verfall-Erneuerung ohne unser Zutun ablaufen. 

Die Erkenntnis: „Der Wald braucht den Menschen nicht“ wird die Teilnehmer wohl noch lange begleiten.

Besonders auf dem Weg zum Lusen-Gipfel durchquerte man ein Gebiet, in dem die Waldzerstörung noch von neuerem Datum und der Aufwuchs des Jungwaldes noch nicht so weit fortgeschritten ist. Es wurde einem auch plötzlich das Ausmaß der betroffenen gebiete bewußt – man durchquerte ein Meer von toten Bäumen – und die, aus Sicherheitsgründen freigestellte Wegeführung, verstärkte diesen Eindruck. Auch das erbauende Gefühl bei der Gipfelbesteigung stellte sich nur bedingt ein, den vom Gipfelkreuz aus streifte der Blick zurück über den sich verjüngenden Wald – so weit das Auge reicht.

Carl Klostermann: Käferlzeit

Das Jahr 1870 brachte eine Katastrophe, welche alle Verhältnisse änderte: die Borkenkäfercalamität, ...Diese Calamität betraf den ganzen Böhmerwald und schädigte unser Nachbarland Bayern ebenso sehr wie Böhmen. Wer in den Jahren 1872-74 unser Gebiet berührte, dem mußten die schrecklichen Verheerungen dieses entsetzlichen Waldfrevlers auffallen...Soweit das Auge reichte, ganze Bestände, alt und jung, alles nahm diese verhängnisvolle Rostfarbe an...Ein trauriger Anblick! – Hin und wieder ragte eine grüne Buche oder ein breitblättriger Ahorn aus dem Meer von Roth wiegte leise das dicht gehängte Haupt, wie trauernd um die sterbenden Genossen.

Tag und Nacht hallten die Axtschläge, loderten die Flammen empor, widerhallte Fels und Berg von dem Knallen der Peitschen der Fuhrleute und dem Dröhnen der über die Hänge zu den Wasserläufen und Schwemmen hinpolternden Stämme. Ein ungewohntes Leben in diesem stillen, menschenleeren Dome der Natur....

Die „Käferlzeit“, wie die Leute jene unglückselige Epoche nannten, brachte momentan viel Arbeit und Geld in den Böhmerwald. Die Arbeiter wurden gut bezahlt, die Bauern bekamen Geld für die Stämme, wenn diese auch zu einem wahren Spottpreis bezahlt wurden; denn früher brachten sie dieselben gar nicht an, denn erst die Noth zwang, Wege zu bahnen. Auch verdienten sie viel Geld für gestellte Bezüge. Die Unmassen geschlagenen Holzes lockte die Holzhändler heran, die sich da sammelten wie Geier um ein todtes Thier; kurz , es entstand ein nie dagewesenes Leben. Mancher Bauer sah in einem Monat mehr Geld, als früher in seinem ganzen Leben. Man muß heutzutage lächeln, wenn man hört, wie die Leute die „Käferljahre“ als eine Art goldenen Zeitalters preisen, wo es allen so gieng... 

Auf dem Weg zum Gipfel des Lusen

Viel ist in den letzten Jahren über die „Borkenkäfer-Katastrophe“ im Nationalpark Bayerischer Wald zu lesen gewesen. Die Meinungen und Forderungen gingen weit auseinander und der bayerische Weg wurde oft kritisiert. Vor allem die Verantwortlichen des tschechischen Nationalparks Šumava, dem ebenfalls eine  natürliche Walderneuerung bevorsteht, haben bis heute nicht den Mut aufbringen können der Natur ihren Lauf zu lassen.

Es ist jedem zu empfehlen, die Entwicklung weiter zu verfolgen, die Erneuerung zu erkennen und die Entscheidung zum „Nichtstun“ zu akzeptieren. Verabschieden wir uns von unserer engen Sicht der Dinge, schauen wir über den Tellerrand und lassen wir uns von der Grenzenlosigkeit und Dynamik der Natur, besonders im Grenzgebiet Bayern/ Böhmen, im eigenen Handeln und Denken beeinflussen.

Information aus erster Hand, eigene Beobachtung und Erkennen der Veränderungen sind nötig, um sich mit den Gegebenheiten im Nationalpark Bayerischer Wald auseinandersetzen zu können.

Ein gemütlicher deutsch-tschechischer  Abend in der Nationalpark-Hütte bei Altschönau beendete den ersten Tag der gemeinsamen Exkursion 2001

Weiter >>>

Das Infozentrum in Bayer.Eisenstein, ein Urwalderlebnis, der Lusengipfel und die Entwicklung im Borkenkäfergebiet – das waren die Ziele des ersten Exkursionstages im Nationalpark Bayer. Wald.

Das Infozentrum Tusset, der Schwarzenberg- Schwemmkanal und ein Besuch in Krummau und Gojau standen am zweiten Tag auf dem Programm