Exkursion 22.09.2001

Themenkreis: Regionale Produkte

Tag der Milch bei der ArGe Naherholung

Käse – eine Nische für unsere Bauern ?

Milch und Käse - die ArGe verfolgte die Spur von der Kuh zum Verbraucher

Molkerei Goldsteig Straubing
 

Anschließend fuhr die Gruppe nach Straubing zur Molkerei, wo sich noch einmal 10 Personen anschlossen. Der hohe Besucheranteil zeigt deutlich, dass das Interesse an den in der Region erzeugten Produkten sehr groß ist und der vom Arbeitsgruppenleiter Rainer Pasta initiierte „Tag des regionalen Produkts“ auch weiterhin seine Berechtigung hat.

Das Milchwerk Straubing, seit 2000 integriert in die Goldsteig-Gruppe, konnte sich erst nach mehreren Anläufen für den "Tag der Milch" öffnen; zu groß schienen die Schwierigkeiten einen Produktionsbetrieb für Lebensmittel zu besuchen. Nachdem man sich auf eine reine Informationsrunde ohne Betriebsbesichtigung beschränkt hatte, konnte endlich grünes Licht gegeben werden. Begrüßt wurde die Gruppe vom Vorsitzenden Karl Steinkirchner aus Cham und Betriebsleiter Haberl aus Straubing. Nach einer kurzen Einführung durch Herrn Steinkirchner und der Begrüßung durch 2. Vorsitzenden Volkhard Nixdorf wurde der Gruppe im vollen Sitzungssaal an Hand eines kurzen Filmes die Goldsteiggruppe und deren Produktionsweise vorgestellt. 7 Milchwerke bilden die Goldsteig-Gruppe - Cham und Plattling als Gründungsmitglieder (1992), Regen, Niederwinkling, Hartkirchen, Tittling, Straubing- in ihnen werden pro Tag 1,5 Mio. Liter Milch verarbeitet, die mit 50 Sammel-LKW zu den Milchwerken gebracht werden. Neben der "weißen Linie" (Milch, Joghurt, Sahne, Butter) werden die verschiedensten Käse hergestellt - Die Goldsteig-Gruppe ist u.a. größter Mozzarella-Hersteller Deutschlands. Im Film wurde die Produktion von Mozzarella und Hartkäses beispielhaft dargestellt; ebenso die fortlaufende Qualitätskontrolle im eigenen Labor. Besonders beeindruckend ist das neue Hochregallager in Cham (Investitionssumme 30 Mio. DM), in dem 17 000 Paletten in 4 Klimazonen gelagert werden können und das dadurch ein hochmodernes und effektives Logistikzentrum ermöglicht, in dem täglich 1000 Paletten ausgeliefert werden.

Karl Steinkirchner ging anschließend auf die Zwänge ein, die dazu führten, dass sich die kleinen Molkereien zusammenschlossen und dass durch Rationalisierung viele Arbeitsplätze abgebaut wurden. Einerseits, so Steinkirchner, öffnete der hohe DM-Kurs ausländischen Produzenten( Neuseeland, Australien) Tür und Tor , zum anderen verlangt der sich immer mehr konzentrierende Lebensmittelgroßhandel (hier bestimmen 5 Firmen über ¾ des Marktes) eine höhere Lieferleistung und niedrigere Preise. Auch hier ist wieder der Verbraucher als Verursacher ausgemacht worden - 95-98% kaufen in den Supermärkten ihre Lebensmittel ein - damit bekommen die Lebensmittelmultis immer mehr Macht und Einfluß. Dem entgegen können die Milchwerke nur durch Fusion und Konzentration ihr Angebot vermehren und damit krisensicherer machen, andererseits noch billiger produzieren. Denn nur der Preis bestimmt, ob die Produzenten in Europa weiterexistieren können - Qualität ist Voraussetzung. Durch die Blockbildung im Einzugsgebiet und die Erweiterung der Liefermöglichkeiten hat sich die Goldsteig-Gruppe eine gute Existenzgrundlage geschaffen, so Steinkirchner, nur wird man nicht um hinkommen die 7 Standorte (mit z.Z. ca. 600 Beschäftigten) auf 5 zu reduzieren und durch weitere Produktinnovationen sein Bestehen zu sichern.

Karl Heil, Landwirt aus Hofkirchen und Vorstandsvorsitzender im Milchwerk Straubing, erläuterte anschließend die Zusammensetzung der ca. 6100 Lieferanten und die politische Forderung zur Verkleinerung der derzeitigen landwirtschaftlichen Betriebe. Rund die Hälfte der Lieferanten sind in der Kategorie 20 000-100000 Liter/Jahr einzustufen - und das sind, so Heil, kleine Familienbetriebe, lediglich 14 Betriebe liefern 500 000 Liter (mit ca. 100 Milchkühen Bestand). Der Milchpreis liegt z:Z. bei 65-66 Pfennigen/Liter, wobei der Preis der Goldsteig-Gruppe sich im oberen Drittel im südbayerischen Raum befindet. Alles in allem ist es gelungen für die Molkereien und die Milchviehbetriebe eine zukunfts- und leistungsfähige Konstellation zu schaffen, die gute Qualität liefern und damit auf dem Markt bestehen kann. Auf die Frage nach der Zukunft in Bezug auf die Osterweiterung der EU erwiderte Steinkirchner, dass die östlichen Nachbarn, vor allem Tschechien, bereits heute über den Standard in Deutschland verfügen und sich sicherlich hier in Zukunft einiges verändern wird - hoffentlich zu beiderseitigem Nutzen. Eine weitere Frage befasste sich mit der Produktion von biologischen Produkten. Hierauf erklärte Steinkirchner, dass dem nichts im Wege steht, da die Technik die gleiche ist, nur die Erfassung der weit verbreiteten Lieferanten bereite einige Schwierigkeiten - doch auch dies sei lediglich ein Problem der Kosten - "was der Verbraucher will - das machen wir" - so brachte Steinkirchner das Problem erneut auf den Punkt.

Ein besonderes Thema war die Tatsache, dass immer mehr Handelsketten (z.B. Edeka, Real, Metro..) eigene Handelsmarken anbieten, in deren Verpackung aber das selbe Produkt steckt - dies führte zu angeregter Diskussion. Der Goldsteig-Mozzarella wird u.a. unter den Marken Mibell (Edeka, Neukauf), Tip (Metro) oder Milbona (Lidl) angeboten. Dies hat den Sinn, dass die Verbraucher sich nicht an den Namen eines Herstellers gewöhnen und dieses Produkt unbedingt haben wollen, andererseits der Produzent jederzeit ausgetauscht werden kann.
Die Herkunft eines Produktes kann lediglich durch die Veterinärkontrollnummer auf der Verpackung bestimmt werden: Für Straubing steht "D - BY 291 EWG" - also streiten Sie nicht darüber welcher Mozzarella besser schmeckt - alles ist von Goldsteig: "sooo ein Käse"

Volkhard Nixdorf bedankte sich bei den Referenten und bei Frau Gahr, für die interessante Darstellung und für die vielen Probepackungen der Goldsteig-Produkte, die die Teilnehmer zur Verkostung mitnehmen konnten.

 

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Rainer Pasta 09-2001