2.2.2002 Internationaler Tag
 der Feuchtgebiete

Die ArGe zu Besuch bei der Mitgliederversammlung des Partnervereins in Winterberg /Vimperk

Seit nunmehr 7 Jahren sind 28 Labertaler ordentliche Mitglieder im tschechischen Verein zum Schutz der Natur im Böhmerwald – mit Mitgliedsausweis und allem was dazu gehört. So werden die deutschen Mitglieder auch zu den regelmäßigen Versammlungen nach Winterberg eingeladen, bei denen immer ein interessanter Vortrag zu einem aktuellen Thema geplant ist. Dieses Jahr handelte es sich um die Renaturierung eines abgetorften Hochmoores bei Wallern/ Volary, passend zum Internationalen Tag der Feuchtgebiete am 2. Februar .

 

Neben den vereinsüblichen Tagesordnungspunkten, wie Mitgliederentwicklung, Finanzen, Jahresprogramm und Wünsche/Anträge, stand ein Vortrag der Nationalparkverwaltung Šumava auf dem Programm. Es sollte die Renaturierung des Hochmoores Soumarský Most und das damit verbundene Kommunikationsprojekt vorgestellt werden

Soumarský Most

Das 90ha große Hochmoor ist das einzige industriell abgebaute Hochmoor im Nationalparkgebiet. Bis vor kurzem wurde die ehemals 5 Mater dicke Schicht  Torf mit großen Schürfbaggern auf einen heute daliegenden Rest von 50cm abgetragen – verbunden mit weitreichenden Entwässerungsmaßnahmen.

Nachdem der Abbau beendet war begann man, unter Leitung der Nationalparkverwaltung, das Gebiet zu renaturieren – eine einmalige Gelegenheit den Weg und Erfolg einer solchen Maßnahme zu erforschen.

   

Problematisch ist die Revitalisierung der lebensfeindlichen Oberfläche des Moores – Trockenheit, Hitze und sauerer Torf – nicht gerade einladend für ansiedlungswillige Pflanzen und Tiere. Und doch – wenn man es schafft die Oberfläche wieder zu vernässen und vor der Sonne zu schützen – dann kommen Pflanzen und Tiere, die auf diesen Lebensraum spezialisiert sind – so entstand und wuchs das Moor in den letzen 5000 Jahren auf seine ehemalige Größe an . (1mm pro Jahr) Wie man im Luftbild sieht ist das ganze Gebiet mit Entwässerungsgräben durchzogen und besonders an diesen kann sich neuer Bewuchs entwickeln.

Postkarte
   

Wasser ist das zentrale Thema im Moor – Gegründet es seinen Ursprung (absterbende Pflanzenteile in einer nassen Mulde) und seinen Wert  - Es hält Wasser wie ein Schwamm fest, verhindert das schnelle Abfließen und versorgt die Gegend gleichmäßig mit Feuchtigkeit.  Also ging es als erstes darum, das Wasser wieder ins Moor zurück zu bekommen – die Entwässerungsgräben wurden angestaut, kleine Senken und Mulden geschaffen in denen es sich sammeln kann.

  

Der nächste Punkt ist die lebensfeindliche Oberfläche – sie heizt sich in der Sonne durch ihre dunkle Farbe extrem auf, trocknet schnell aus und wird durch den Wind verweht, dazu kommt das sauere Medium und die hohe Nährstoffmenge durch die Mineralisation des Torfes. Was kann man dagegen tun – ohne die sensible, inzwischen vollgesogene, Torfmasse noch mehr zu schädigen.

Grasmulch war die Lösung. Eine mehrere Zentimeterdicke Abdeckung mit Grasschnitt – direkt in der Umgebung des Moores gewonnen und schonend an Ort und Stelle verfrachtet.

  

Und die Maßnahme zeigte Erfolg ! Nicht nur, dass die Fläche wieder vernässte, nein auch unter der Grasmulchschicht siedelte sich das, für die Entstehung des Moores verantwortliche, Torfmoos wieder an. Zwar noch auf bescheidenen Flächen, aber mit dem gewünschten Erfolg konnte das Moor revitalisiert werden.

 

Torfmoos

Als nächstes sollte das Moor für die Besucher, touristisch oder wissenschaftlich motiviert, erschlossen werden. Knüppelstege sollen gebaut werden, die die Besucherströme führen und dabei eine Beeinträchtigung des Moores verhindern. 

Doch hier endet die Erfolgsstory plötzlich – und für uns unverständlich.

Aber die tschechische Gesetzgebung hat, ähnlich wie in Ostdeutschland bei uns durchgeführt, die Rückgabe der Flächen an die alten Besitzer vor deren Entschädigung gestellt. Diese Vorgehensweise ist einer der großen Schwachpunkte im tschechischen Naturschutz. Viele Flächen und damit Naturschutzprojekte werden der staatlichen Einflußnahme entzogen und müssen sich den wirtschaftlichen Intentionen der neuen (alten) Besitzer stellen.

So bekam die Gemeinde Volary/Wallern das Gebiet, in dem das Hochmoor Soumarský Most liegt, übereignet. Damit wurde es dem direkten Einflußbereich der Nationalparkverwaltung entzogen. Neue, für die weitere Entwicklung nötige, öffentliche Gelder kann aber nur der Eigentümer (oder Pächter) beantragen. Die Gemeinde spielt natürlich mit dem Gedanken die Fläche wirtschaftlich zu nutzen - dies bedeutet in diesem Fall eine Aufforstung mit Kiefern und Fichten, deren Ertrag in einigen Jahrzehnten den Gemeindefinanzen zugute kommt.

Aufforstung in moorigen Bereichen

 

 

Kommunikationsprojekt

Und hier ist der Ansatzpunkt für ein beispielhaftes Kommunikationsprojekt, das wissenschaftlich erarbeitet und begleitet wird. Die Vorgehensweise und die durchgeführten Maßnahmen sind besonders für die Gäste aus dem Labertal interessant gewesen. Große Naturschutzprojekte (Nationalpark, Schutzgebiete) sind bei uns üblicherweise auf Flächen zu finden die bereits im Staatsbesitz sind, darauf basiert der Naturschutz in Deutschland. Kleine Projekte, wie zum Beispiel die ökologische Erneuerung im Labertal, ist abhängig von der Bereitschaft der Eigentümer, an diesen Projekten mitzuarbeiten. Somit ist das Ergebnis der tschechischen Studie für uns besonders wichtig und wird sicherlich in unsere Arbeit vor Ort einfließen.

Der Ansatz des Projektes war, die Bevölkerung mit der Thematik vertraut zu machen; den Wert des renaturierten Hochmoores gegenüber der Aufforstung darzustellen und möglichst viele Mitstreiter zu gewinnen.

Doch wie schafft man das?

Neben der Gründung einer Projektgruppe, die die Arbeiten vorbereiten und betreuen sollte wurde vor allem die Zielgruppe für die kommenden Aktionen festgelegt. Neben den politischen Entscheidungsträgern in der Gemeinde waren dies die interessierten Bürger und , ganz wichtig, die Kinder !

Was wurde nun konkret unternommen?

Es wurde ein Informationsblatt entworfen, dass wir Ihnen im folgenden vorstellen wollen. Weiterhin wurden Artikel in der Regionalzeitung veröffentlicht, Sendungen im Kabel (Privat)fernsehen ausgestrahlt und Ausstellungen und Abendvorträge organisiert. Postkarten und Taschenkalender mit dem Moor-Motiv wurden verteilt

  Taschenkalender
Als eine der wichtigsten Maßnahme zeigte sich die Einbeziehung der Schulkinder - mit dem Torfmoos-Männchen wurde ein Sympathieträger entworfen und es bietet für Jung und (damit auch für) Alt eine Identifikationsfigur, die nicht unterschätzt werden darf, denn damit bekommt das abstrakte "Revitalisierungsprogramm des Hochmoores" ein Gesicht - das man erkennt, das man liebt, für das man sich einsetzt - und die Macht die Kinderwünsche (zumindest bei den Eltern) haben, ist uns allen bekannt !

 

Das Info-Blatt

besteht aus festen Papier mit einem abtrennbaren Lesezeichen, auf dem Bilder aus der Renaturierungsarbeit, sowie Bilder von Pflanzen und Tieren aus einem aktiven Hochmoor zu sehen sind.

   

Auf der Vorderseite wird zwischen dem Luftbild des abgetorften Moores und einer Aufnahme eines aktiven Moores die Frage gestellt -  Warum Revitalisierung?

und natürlich gleich beantwortet: Revitalisierung bedeutet – „wieder lebendig machen“. Mit kurzen Sätzen wird das Projekt vorgestellt:

Das Hochmoor Soumarský Most

-         ist das einzige abgebaute Hochmoor in den Moldau-Auen

-         es hält das Wasser in der Landschaft zurück

-         es ist Heimat vieler typischer Pflanzen und Tiere

-         es ermöglicht besondere Beobachtungen für Wissenschaftler und Besucher

Wie will man das wieder erreichen?

-         Wasserrückhaltung durch Aufstauen der Entwässerungsgräben

-         Verkleinern der Wasserverdunstung durch Grasmulchauftrag

-         Erneuerung von Senken und Vertiefungen

-         Errichtung neuer Wege zum Besseren Erkennen und Erleben

Und warum das alles? Weil die Hochmoore einfach schön sind !!

Hochmoor in der Moldau-Aue

 

Auf der zweiten Seite des Faltblattes stellt sich der Hauptakteur des Projektes selbst vor:

 

Ich, das Hochmoor

Vor langer Zeit geboren worden, es kann  vor Tausenden von Jahren gewesen sein, als es überall noch kalt war. Es ist leicht vorstellbar, dass am Ende der Eiszeit, die freifließende Moldau ihren Lauf veränderte und eine Vertiefung schuf und dort entstand ich. Tausende Jahre bin ich hochgewachsen, immer durstig immer Wasser haltend, soviel ich schaffte. Mit so vielen Pflanzen und Lebewesen, die mit mir hier seit der Eiszeit in meinem Königreich überlebten, während sich die Landschaft ringsum veränderte.

Dann, vor kurzem kam der Mensch, er nahm mein Wasser weg, er fing an meinen Körper zu nehmen, meinen Torf. Als dies zu Ende war, blieb nicht viel von mir übrig.

Aber wenn der Mond auf die Moldau-Auen scheint, träume ich einen schönen Traum - wie sich meine Wunden schließen, indem sie meine Kanäle schließen. Sie bedecken mich mit geschnittenem Gras damit mir kühler wird und ich werde wieder leben und wachsen wie vorher. Alles was lebendig war kommt wieder zu mir zurück und findet wieder eine Heimat, ähnlich wie bei meinen glücklicheren Geschwistern in der Moldau-Aue.

Und du, Mensch, für dich lohnt sich das auch – Ich biete dir Schönheit für die Augen, Inspiration für dein Tun und Ruhe für deine Seele!

 

 

wiedervernässtes Moor

   

Nach diesem sehr eindrucksvollen und leicht verständlichen Text wenden sich die Initiatoren noch einmal direkt an den Bürger und beantworten die dringlichsten Fragen:

-         wer sind wir?

Ein bereitwilliges (und kompetentes) Team von Leuten die es vielleicht schaffen dieses Projekt, das gut ist für die Umgebung von Volary/Wallern

und für die Bürger und Besucher der Region, zu realisieren. Es ist unser Projekt und die meisten von uns sind Bürger die dort leben.

-         was wollen wir ?

Im Eigentum der Stadt Volary/Wallern ist seit Kurzem der ehemalige Wirtschaftsbereich Soumarský Most. Der Torfabbau wurde beendet, das Hochmoor trocknet aus und verliert seinen Wert. Aufforstung ist nicht der richtige Weg und zudem unökonomisch. Das Hochmoor der Natur zurückzugeben scheint eine bessere Lösung zu sein.

-         was können wir erreichen?

Einnahmen durch den Tourismus – Lehrpfade bringt ständig Besucher

● Arbeitsplätze bei der Realisation (Erdarbeiten, Wegebau, Grasmulch)

● das gute Gefühl der Natur geholfen zu haben

-         was brauchen wir dazu?

Euer Verständnis und Euere Hilfe

● Die Zustimmung des Eigentümers, der Stadt Volary/Wallern

● Öffentliche Mittel für die Revitalisierung des Hochmoores

-         was wir nicht wollen ist Euer Geld !!

Dieses Faltblatt wurde an alle Haushalte in der Region verteilt. Beiliegend war ein Fragebogen, der die Einschätzung der Bürger über das Projekt abfragt. Ebenso die Bereitschaft und mögliche Form der Mitarbeit, sowie den Erfolg der bereist durchgeführten Informations –(Kommunikations-) Wege.

Sicherlich wurde hier ein gangbarer Weg aufgezeigt, naturschützerische Projekte bekannt zu machen und durch die Information der Betroffenen und Bewohner der entsprechenden Region die Durchsetzbarkeit zu verbessern.

Lassen wir uns durch die Problematik des Hochmoores im Böhmerwald auch die Aufgaben im Labertal vor Augen führen – denn die Laber-Auen gehören zu den interessantesten Gebieten in unserer Heimat.            

Rainer Pasta 02-2002