10 Jahre GRÜNES HERZ EUROPAS -
auch die ArGe gratulierte !


Nach 10 Jahren neue Wege im Eisensteiner Tal
- auch eine Botschaft für das Labertal !

Neben der ArGe Naherholung hat auch der Verein GRÜNES HERZ EUROPAS seit nunmehr über 10 Jahre eine lebendige Partnerschaft mit den tschechischen Nachbarn. Zum Jubiläum fand sich eine Delegation aus dem Labertal im Grenzbahnhof Bayerisch Eisenstein ein und erfuhr interessantes über eine neue Ära der Zusammenarbeit der beiden Grenzgemeinden und die zukünftigen Aufgaben des deutsch-tschechisch-österreichischen Vereins. Lösungsansätze wurden geboten, die auch bei uns diskutiert werden müssen.

Nach den kurzen Grußworten der drei Vereinsvorsitzenden aus Deutschland - Inge Steidl, aus Österreich - Ernst Dorfner, und aus Tschechien - Radek Thér – begrüßten die beiden Bürgermeister die Festgäste. Thomas Müller, Bürgermeister von Bayerisch Eisenstein, seit nunmehr 8 Monaten im Amt und der jüngste Bürgermeister Niederbayerns, wies auf die symbolische Begebenheit des Jubiläums im deutsch-tschechischen Grenzbahnhof hin und forderte mit Nachdruck, die Grenze aus den Köpfen der Menschen zu verbannen und das Eisensteiner Tal zu dem zu machen, was es einmal war – eine Einheit, in der sich deutsche und tschechische Touristen in gleicher Weise dem Wintersport und der Erholung hingeben.

Jiří Vonásek, Bürgermeister aus Železná Ruda/Böhmisch Eisenstein und  auch erst seit ein paar Monaten im Amt, erinnerte an die bevorstehende EU –Erweiterung und der damit wegfallenden Grenze zwischen den beiden Ortsteilen. Auch er bekannte sich zur Einheit des Tales und wünschte sich eine gemeinsame Zukunft. Besonders bedeutend sind diese Aussagen, da die beiden Gemeinden in den vergangenen Jahren keine gemeinsame Linie verfolgten, ja sogar der informelle Kontakt nur bedingt stattfand.

Es kommt beiden Bürgermeistern zu Gute, dass sie Neulinge sind und dass sie somit einen echten  Neuanfang in den gegenseitigen Beziehungen starten können.

Jiří Vonásek (l.), Bürgermeister aus Železná Ruda /Böhmisch Eisenstein und Thomas Müller (Mitte), Bürgermeister von Bayerisch Eisenstein

Schon seit 10 Jahren besteht dieser Kontakt auf Vereinsebene. Die drei Ableger des Vereins GRÜNES HERZ EUROPAS arbeiten intensiv und auf verschiedenen thematischen Ebenen zusammen. Franz Haberzettl vom Bund Naturschutz aus Passau und Rudolf Sturm, Ehrenvorsitzender und, wie Haberzettl, Gründungsmitglied des Vereins zeigten die Motivation zur Gründung und die Arbeit der vergangenen Jahre auf. Der grenzüberschreitende Naturschutz, eine Vision in den euphorischen Jahren nach der Grenzöffnung, und die Entwicklung der beiden Nationalparke - Bayerischer Wald und Šumava/Böhmerwald waren die Triebfedern zur Vereinsgründung. Die Verkehrsinfrastruktur, der Grenzbahnhof als Informations- und Begegnungszentrum, eine umweltverträgliche Landwirtschaft und Landnutzung/Landschaftspflege, der Schutz von alten Haustierrassen ( Rotvieh-Rind und Šumava-Schaf) und der umweltbewußte Tourismus sind die Themen der gemeinsamen Aktivitäten. Alles unter dem Aspekt, die vorhandenen sozialen und ökologischen Werte nachhaltig zu nutzen. - Was dies konkret bedeutet, konnten die Teilnehmer aus dem Labertal und ihre Partner aus Vimperk/ Winterberg aus eigener Erfahrung gut nachvollziehen.- Weitere Brennpunkte der Vereinsarbeit in den vergangenen Jahren waren die Ausweitung des Skigebietes Hochficht, die Müllverbrennungsanlage in Außernzell, der industrielle Goldabbau in Böhmen, die Zementherstellung und -transporte, die Ausweisung des Böhmerwaldes als "Landschaft des Jahres 2000", die Ausweitung des Nationalparks Bayerischer Wald sowie die Entwicklung der böhmischen Tourismusstruktur. Sicherlich konnten nicht alle Ideen und Visionen umgesetzt werden - so blieb von den europäischen Plänen eines gemeinsamen "DACH EUROPAS", von Finnland bis Bulgarien, lediglich das GRÜNE HERZ, ein Biosphärenreservat aus Bayerischer Wald, Böhmerwald und Mühlviertl.

Umrahmt wurden die Beiträge mit Musik aus der bayerisch-tschechischen Region.


Landschaftsarchitekt H.Ammer

 

Als besondere Schmankerl wurde den Zuhörern die Berichte von Zeitzeugen aus dem Eisensteiner Tal geboten. Dr. Oldrich Lhotsky vom tschechischen Naturschutzbund referierte über die Situation vor und nach der Grenzöffnung, Maria Pauli erzählte aus ihrer Kindheit, die sie im Bahnhof Eisenstein verlebte und , genauso wie die Jugenderinnerungen von Adalbert Pongratz, einen lebendigen Einblick in die Zeit vor, während und nach dem Krieg gaben.

Nach dem Mittagessen, bei dem sich alte Freundschaften aufwärmten und neue Bekanntschaften ergaben, ging es ans Eingemachte. 1994 wurde ein grenzübergreifender Landschaftsplan in Auftrag gegeben und erstellt. Die Erfassung der landschaftlichen Gegebenheiten, die Ermittlung der Potentiale und Gefährdungen  und das Aufzeigen von

Lösungsansätzen war Aufgabe des Landschaftsarchitekten Hubert Ammer aus Niederalteich, der, auf Einladung des Vereins, den Anwesenden und vor allem den beiden Bürgermeistern  das Projekt noch einmal vorstellte. Ist die Beschlußfassung zum Landschaftsplan in unseren Gemeinden schon problematisch, so kann man sich dies bei grenzübergreifenden Plänen vorstellen. Der Plan verschwand nach Fertigstellung in den Schubläden in Bayerisch Eisenstein, bis die Regierung von Niederbayern die Erstellungskosten einzufordern drohte, falls die Gemeinde keine Entscheidung zu treffen im Stande ist. Die tschechische Gemeinde Železná Ruda hat sich mit der ganzen Planung bisher überhaupt nicht auseinandergesetzt, da die Verantwortlichen der Gemeinde bei jeder Wahl komplett ausgetauscht wurden, eine Kontinuität der Arbeit also in keinem Fall möglich war. Die Motivation der beiden Neubürgermeister und auch die Zeichen der Zeit – leere Kassen auf beiden Seiten der Grenze- haben die Verantwortlichen jetzt eines besseren belehrt. Der Landschaftsplan als Chance für die Entwicklung der Gemeinden, als Chance für den wirtschaftlichen Aufschwung und eine Chance für die Neuansiedlung von landwirtschaftlichen Betrieben ( denn im Eisensteiner Tal sind lediglich noch zwei tschechische Landwirte tätig). 

Bürgermeister Müller fasste die Situation der beiden Gemeinden mit einfachen, aber prägnanten Worten zusammen: „Wir haben keinen Knopf Geld! Und wer nicht neuen Wege gehen will, der geht bald gar keine Wege mehr!“ In den letzten Tage standen auch im Eisensteiner Tal Katastrophen-Alarm und Unwetterwarnungen im Raum, so berichtet der Bürgermeister. Sturm und Hochwasser sind eine ständige Bedrohung und wäre das Tiefdruckgebiet im Sommer nur 50 km weiter nordwestlich durchgezogen, so wäre das Tal von der Jahrhundertflut nicht verschont geblieben – doch die Angst vor morgen ist allgegenwärtig, versicherte auch der Bürgermeister aus Tschechien.

Die Problematik ist jedem bewußt, wie man in den Gesichtern der Teilnehmer lesen konnte, und Antworten müssen schnell gefunden werden, dass war allen Anwesenden klar. Die beiden Bürgermeister waren sich einig, dass die „neuen Wege“ tiefe Einschnitte in die alten Strukturen bedeuten. Neben den wirtschaftlichen Aufgaben sind vorrangig die natürlichen Lebensgrundlagen zu sichern – nicht nur im Eisensteiner Tal. Nur gemeinsame Bemühungen und intelligente Lösungen in den Quellgebieten und an den Oberläufen der Flüsse können hier auf Dauer die Situation verbessern: Auwiesen als Retentionsräume. Landwirte die Überflutungsflächen vorhalten und eine „neue Landwirtschaft“, die neben der Urproduktion eine qualifizierte Landschaftspflege anbieten und einen zusätzlichen ökologischen Beitrag leisten kann, verknüpft mit dem Angebot von sanften Tourismus-Attraktionen. Den Vereinen, so Bürgermeister Müller, kommt hier eine besondere Bedeutung zu, denn wenn die Kommunen kein Geld mehr haben, so müssen die Bürger in ihre Gemeinden, ihre Heimat, selbst investieren. Die Zeiten des „reinen Abholens von Leistungen“ ist vorbei. Eigeninitiative und ehren-amtliches Engagement ist heute wichtiger als je zu vor. In den kommenden Jahren, in denen die Staaten Europas, allen voran Bayern und Tschechienschaften, denn sie sind die Keimzellen der europäischen Integration. Diese Ausführungen nahmen auch die Partner aus dem Labertal und dem tschechischen Vimperk/Winterberg als Botschaft mit nach Hause und freuten sich mit den Jubilaren auf eine weitere enge Zusammenarbeit im Herzen Europas.

Rainer Pasta 01-2003