Nationalpark Landschaftsschutzgebiet Šumava

Hochmoore in Šumava

Warum erinnern unsere Hochmoore an die nordische Tundra und Taiga?

Bei unseren Wanderungen durch die Landschaft des Böhmerwaldes (Šumava) berühren wir ab und zu auch Moore. Sie erscheinen uns, als ob sie eine anderen Welt entstammen würden. Die üblich hochwachsenden Fichten sind dort durch krüppelhafte und verkrümmte Wuchsformen ersetzt, stellenweise prägen Kiefern und Birken das Landschaftbild. Auch die Vegetation der Schwingrasenflächen in der Umgebung von Moorseen unterscheidet sich gänzlich von den umliegenden Wiesen und Weiden. Die Hochmoore erinnern uns deshalb an die Landschaftsbilder im hohen Norden unserer Erde.

Die Entstehungsgeschichte der Moore gibt uns den Schlüssel zu Erklärung. Zahlreiche Moore des Böhmerwaldes begannen sich bereits zum Ende der Eiszeit, also vor 10-15.000 Jahren, zu entwickeln. Die kälteliebende Tundravegetation wurde damals mit fortschreitender Vereisung südwärts bin in unserer Gegend verdrängt.

Obwohl die Vegetation in den nacheiszeitlichen Perioden infolge Klimaerwärmung wesentlich verändert wurde, blieb der Charakter der Moore mehr oder weniger erhalten. Die Niederschläge und vergleichsweise rauhen Temperaturen verhindern hier die Etablierung des Waldes und ermöglichten das Überleben von kälteliebenden Arten. Zahlreiche dieser Arten stellen bis heute eine lebende Erinnerung an die Eiszeiten dar und werden deshalb glaziale Relikte genannt.