Öko-Gespräch in Vimperk/Winterberg 1999

ArGe-Naherholung besucht Tagung des Partnervereins

 

Bachtal am Lehrpfad

Der Verein zum Schutz des Böhmerwaldes in Vimperk veranstaltete ein Öko-Gespräch über Natur- und Umweltschutz in der Region Vimperk und lud die ArGe-Naherholung, als Partnerverein dazu ein. Die Tagung fand am Samstag den 17.April 1999 in Vimperk satt. Neben Vertretern des Landratsamtes Prachatice und der Stadt Vimperk stellte die ArGe-Naherholung ihre Arbeit vor. Anschließend erfolgte die Besichtigung der vollbiologischen Kläranlage Vimperk und dem Wasserwerk. Zum Abschluß besuchte die Gruppe aus dem Labertal den Lehrpfad des Partnervereins in der Nähe Vimperks und genoß den Anblick eines Auwaldstreifens entlang eines kleinen Baches.

Vorsitzender F. Kadoch begrüßte die Teilnehmer am ersten Vimperker Ökologiegespräch und umriß kurz die Situation im Umweltschutz in der Region Vimperk und sprach die zukünftige Rolle des Vereins zum Schutz des Böhmerwaldes in Bereich Umwelt und Naturschutz in Vimperk an. Da es sich bei dem Verein zum Schutze des Böhmerwaldes um einen unabhängigen Verein handelt, der sich mit den Belangen des Umwelt- und Naturschutzes beschäftigt, fallen die Reaktionen der Bevölkerung und der beteiligten Behörden auf die durchgeführten Maßnahmen und Forderungen sehr differenziert aus. Durch die Demokratisierung in Tschechien bekommen unabhängige Gruppierungen und Vereine mehr und mehr Raum sich in den verschiedensten Richtungen zu engagieren , sich und ihre Ziele in den Meinungsbildungsprozeß einzubringen und die politischen Entscheidungen mit zu beeinflussen. Da dies bei uns in Bayern bereits seit Jahrzehnten der Fall ist und die ArGe-Naherholung in ihrem 25jährigen Bestehen weitreichende Erfahrungen sammeln konnte, bat uns unser Partnerverein an dem Ökologiegespräch teilzunehmen und die Arbeit und Lösungsansätze der ArGe-Naherholung mit einzubringen.

Als erstes stellte Dr. Prokop, als Vertreter des Landratsamtes Prachatice seine Behörde und deren Arbeit vor. Der Bezirk Prachatice und hier speziell die Region um Vimperk gehören zu den am dünnsten besiedelten Gebiete Tschechiens und hat somit, im Gegensatz zu den wichtigen Industrie- bzw. Landwirtschaftsstandorten mit relativ geringen ökologischen Problemen zu kämpfen. Dies bedeutet aber auch, daß die Region wenig steuer-liche Erträge erwirtschaftet und damit der Haushalt, vor allem für Umwelt- und Naturschutz sehr begrenzt ist. Der Tourismus und damit die intakte Landschaft seien, so Dr. Prokop, das Kapital der Region Vimperk. Die Verwaltung des Landkreises ist aber nur für ca. 50% des Gebietes zu-ständig, da der andere Teil in die Zuständigkeit der Nationalparkverwaltung falle.

Mit einem Beispieles verdeutlichte Dr. Prokop daß Artenschutz immer Biotopschutz heißen muß . So liegt in seinem Zuständigkeitsbereich ein großes Perlmuschelvorkommen, das z.Z. erweitert werden soll und in dem sich eine Population von rund 6000 Tieren hält. Hier zeigte er auf, daß die Population der in der Vermehrung auf ein intaktes Umfeld angewiesenen Flußperlmuschel zwar seit Jahren stabil sei, doch eine Verjüngung der Bestände und damit ein Überleben der Spezies durch Störungen des Lebensraumes nicht möglich ist. Es wird nun versucht durch künstliche Vermehrung die Bestände zu verjüngen.

Wie auch durch der Verein zum Schutz des Böhmerwaldes bestätigt, liegt eines der größten Problemgebiete in der Region im Wandel der Flächenbewirtschaftung. Genau wie bei uns werden mehr und mehr Flächen aus der landwirtschaftlichen Nutzung genommen und der Sukzession überlassen. Dies bedeutet zwar eine Zunahme der Standorte mit natürlicher Entwicklung, aber auch einem drastischen Rückgang der interessanten, durch die Kultur des Menschen (Kulturlandschaft), geprägten und erhaltenswerten Strukturen. Hinzu kommt eine Intensivierung der Nutzung in den durch zunehmende Privatisierung erschlossenen Bereichen, die immer mit dem Ausräumen der betroffenen Landschaftsbereiche einhergeht.

Hohe Kosten fallen deshalb für die Landschaftspflege an. Hier greifen staatliche Programme zu den Bereichen Erosionsschutz, Landschaftsbild, Schutzgebietspflege und Hecken und Alleen.

Frau Ing. Kadochova, Leiterin des Umweltschutzreferates der Stadt Vimperk, zeigte an einigen Beispielen den derzeitigen Stand des Umwelt- und Naturschutzes in Tschechien auf. 

Der meiste Aufwand falle, so Frau Kadochova, auf das Zuschußmanagement zum Erhalt der Landschaft. Ein anderer Punkt ist die Anpflanzung von Grünanlagen in Baugebieten und Alleen um Vimperk. Ein weiteres Ziel ist die Erstellung eines Stadtparkes in Vimperk und die Anlage von neuen Spielplätzen, da bisher keine (!!) Spielplätze vorhanden sind.

Im weiteren Verlauf der Tagung stellte Arbeitgruppenleiter Rainer Pasta die Arbeit und die Lösungsansätze der ArGe-Naherholung vor. Seit vielen Jahren betreibt die ArGe-Naherholung Maßnahmen zum Natur- und Landschaftsschutz und die Information der Bevölkerung zu Kultur und Geschichte unseres Naturraumes. Es zeigt sich jedoch, daß gerade im Bereich Naturschutz und Landschaftsentwicklung die Aufgaben stetig zunehmen und immer komplexer werden. Neue Wege der Landnutzung und Landbewirtschaftung machen auch vor dem mittleren Labertal nicht halt. Hier gilt es positive Ansätze zu unterstützen, Alternativen aufzuzeigen und negative Tendenzen zu stoppen.

Mit dem groß angelegten Projekt "Landschaftserneuerung im Labertal", das die weitere Entwicklung unserer Heimat unter ökologischen Aspekten erwirken sollte, hat die ArGe erkennen müssen, daß es bei Maßnahmen dieser Größenordnung um rein politische Entscheidungen geht, die wir nicht, oder nur begrenzt beeinflussen können.
Deshalb habe die ArGe Naherholung, so Rainer Pasta, 1997 die Aktion "Zeichen setzen " gestartet. Im Rahmen der Aktion "Zeichen setzen" sollen in Zusammenarbeit mit potentiellen Partnern Aktionen im Bereich der Mitgliedsgemeinden durchgeführt werden. Es werden gezielt kurz und mittelfristige Maßnahmen ergriffen, um durch positive Pressemeldungen weitere Maßnahmen zu starten. Vor allem gemeinschaftliche Maßnahmen sollen hier den erwarteten Erfolg erzielen, da nur so die bereitstehenden Mittel und die vorhandenen Kräfte gebündelt und optimal eingesetzt werden können. 

Als größtes Problem zeigt sich, neben den fehlenden Finanzmitteln, daß die Belange von Natur- und Umweltschutz im Bewußtsein der Bevölkerung ständig wachgehalten werden müssen. Eine Vielzahl von Informationen aus aller Welt, die Angst um den Arbeitsplatz, der Krieg in Jugoslawien und die Sorgen des täglichen Lebens fesseln die Menschen und lassen oft keinen Platz für Obstwiesen, Naturschönheit und Umweltschutz. Doch auch Bequemlichkeit und das fehlende Wissen um ökologische Zusammenhänge machen unsere Arbeit oft schwierig. Hinzu kommen oft Dummheit und Ignoranz; die Fragen nach dem monetären Nutzen von Biber und Storch, die Aufrechnung von Ertrag und Gewinn im Gegensatz zur Schönheit von Klatschmohn und Trollblumen machen ein Umsetzen unserer Ziele oft unmöglich.

Dagegen hat die ArGe-Naherholung drei Instrumente entwickelt, die Rainer Pasta kurz vorstellte: Der gewählte Beirat der ArGe-Naherholung ist, neben der Vorstandschaft, eines der wichtigsten Instrumente zur Umsetzung von Maßnahmen und Zielen. Im Beirat sind die verschiedensten Gruppierungen der Gesellschaft im Labertal vertreten. Die Beiräte dienen als Anlaufstelle für Wünsche, Anregungen und Fragen aus der Bevölkerung und stellen wiederum Multiplikatoren dar, die die Anliegen der ArGe in die Gesellschaft hinein tragen.

Aktuelle Informationen und Umweltbildung bietet die ArGe durch interessante Veranstaltungen mit wechselndem Standort und dem neuen Informationszentrum Labertal im Heimatmuseum Geiselhöring an. Somit erreiche man eine breite , im Arbeitsgebiet verteilte Bevölkerungsschicht. Der gute Besuch der Veranstaltungen zeigen, daß man auf dem richtigen Wege ist. Die Möglichkeit durch eine ortsfeste Ausstellung aktuelle Themen ständig der Öffentlichkeit vorzustellen ist immens wichtig.


Regelmäßig erscheinende Publikationen in denen die Ziele der ArGe-Naherholung, unsere Arbeit und die Kultur des Labertales dokumentiert werden können sind, neben den ständigen Berichten in der Tagespresse, von un-schätzbarem Wert. So erreiche man mit den Labertaler Lesebüchern (1998 erschien Band IV) viele Leser weit über das Labertal hinaus. Mit den Labertaler Igeleien, unserem interessanten Lesejournal, können wir die wichtigsten Themen kurz und informativ der Bevölkerung in den drei Mitgliedsgemeinden vorstellen.

In der anschließenden Diskussion zeigte sich, daß vor allem die Abfallentsorgung ein aktuelles Problem in Vimperk ist. Ähnlich wie in Bayern ist es Sache der Kommunen eine Lösung des Abfallproblemes zu finden. Und ebenso wie bei uns werden verschiedenste Modelle der Abfallgebührenerfassung und deren Nebenwirkungen, wie etwa wilde Abfallentsorgung um Gebühren zu sparen, erprobt und diskutiert.

Besuch der Kläranlage Vimperk

Nach dem gemeinsamen Mittagessen erfolgte die Besichtigung der vollbiologischen Kläranlage Vimperk und dem Wasserwerk, in dem, anders als bei uns, saueres Wasser zum Genuß aufbereitet werden muß. Mit Interesse verfolgten die Besucher aus dem Labertal die verschiedensten Reinigungsstufen.

Zum Abschluß besuchte die Gruppe aus dem Labertal den Lehrpfad des Partnervereins in der Nähe Vimperks und genoß den Anblick eines Auwaldstreifens entlang eines kleinen Baches, in dem z.Z. neben Buschwindröschen, Sumpfdotterblumen und Pestwurz auch das seltene Alpenglöckchen (Soldanella) blüht.

Text und Fotos: Rainer Pasta - 1999