Kulturpreis für besonderes Engagement

"Staat - das sind wir alle, das bin auch ich"

Arbeitsgemeinschaft Naherholung Mittleres Labertal gehört zu den Ausgezeichneten

"L'Etat - c'est moi" - "Der Staat bin ich" - Mit dieser griffigen Formel brachte Ludwig XIV. sein absolutistisches Staatsverständnis unmissverständlich auf den Punkt. Die Bürgerinnen und Bürger, die der Bayerische Landtag am Donnerstag für ihr Engagement mit dem Bürgerkulturpreis auszeichnete, handeln als verantwortungsvolle, aktive Mitglieder des Staatswesens. "Ihr Bekenntnis könnte lauten: Der Staat - das sind wir alle, das bin auch ich", sagte Landtagspräsident Johann Böhm in seiner Laudatio. Unter den drei Preisträgern befand sich diesmal auch die Arbeitsgemeinschaft Naherholung Mittleres Labertal.

Unter den Augen von zahlreichen Vertretern aus Politik und Wirtschaft bekamen die drei Preisträger im Bayerischen Landtag ihre Auszeichnungen überreicht.


Im Bayerischen Landtag in München wurde am Donnerstag der Bürgerkulturpreis verliehen.

Landtagspräsident Johann Böhm lobte das Engagement der drei Gruppierungen, die heuer zu gleichen Teilen den Kulturpreis zugesprochen bekamen. Das hatte der Beirat, zusammengesetzt aus Vertretern der Fraktionen des Landtags, des bayerischen Städte- und Gemeindetags sowie des Vereins Bayerische Landtagspresse, entschieden. Böhm nahm die Gelegenheit wahr, allen Mitwirkenden für ihre konstruktive Arbeit zu danken. Alle Programme, alle Ideen und Projekte bleiben graue Theorie, wenn sich nicht Menschen fänden, die bereit seien, sie umzusetzen und mitzubauen an einer solidarischen, humanen und lebenswerten Gesellschaft. Insbesondere Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe, Solidarität und Toleranz seien Werte, die nur aus freien Stücken und mit persönlichem Einsatz in eine Gemeinschaft eingebracht werden könnten.

Der Bürgerkulturpreis des Bayerischen Landtags verstehe sich als Anreiz, solche Wege zu beschreiten. Er werde verliehen an Verbände, Vereinigungen, juristische Personen,

Selbsthilfeeinrichtungen und Personen, die neue Initiativen zur Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger in die Entwicklung von Staat und Gesellschaft ergriffen hätten.

Bürgermeister Claus Pierer, Cadolzburg vom Bayerischen Gemeindetag begründete im Anschluss, wie es zu der Entscheidung kam, der Arbeitsgemeinschaft Naherholung Mittleres Labertal 15 000 Mark zuzusprechen. Die ArGe bestehe aus drei Labertal-Kommunen, 30 Vereinen und Institutionen und habe etwa 500 unterstützende Mitglieder. Die Mitglieder der ArGe widmeten sich der Gestaltung, Erhaltung und Pflege von Kultur und Natur im Labertal zwischen Pfaffenberg und Geiselhöring. Dabei kümmerten sie sich politisch und konfessionell neutral hauptsächlich um die Bereiche Brauchtumspflege, Natur- und Umweltschutz, Erwachsenenbildung, Hebung des Freizeitwerts und Kulturarbeit. Besonders lobenswert: Der Verein entfalte vielfältige Aktivitäten. Zur Beratung und Information der Bevölkerung veröffentliche er Heimatführer, Kalender, Lesebücher und andere Broschüren.

Die Mitglieder führten Pflanzaktionen durch, beschilderten Wanderwege und würden beim Bau von Spielplätzen und Freizeiteinrichtungen mithelfen. Sie beziehen alle Generationen - von Kindern über Jugendliche bis zu den älteren Menschen - mit ein. Besondere Erwähnung verdiene das Projekt "Landschaftserneuerung im Labertal".

Die Arbeitsgemeinschaft berücksichtige auch die Geschichte und Kultur des Raumes. Dazu führe sie auch kulturelle Veranstaltungen durch. Pierer hob in diesem Zusammenhang die Partnerschaft mit dem tschechischen Verein "Freunde des Nationalparks Sumava" und dem "Verein zum Schutz der Natur im Böhmerwald" hervor.

Weitere Preise gingen an den Verein Grenzenlos Aschaffenburg, eine Hilfsgemeinschaft von Bürgern für Arme und Obdachlose, die seit einigen Jahren materielle Hilfe durch Versorgung mit Essen, Lebensmitteln und alltäglichen Bedarfsgegenständen leistet und die Kommunikation zwischen Betroffenen und Nicht-Betroffenen fördern will, sowie an den Verein für kreative Medien und Kulturpädagogik "Chapeau Claque" aus Bamberg.

Dieser Verein setzt sich seit mehreren Jahren vor allem im Bereich der Jugendarbeit und der Kinderkultur ein, organisiert Projekte für Kindertheater und zur Gestaltung von Spielmöglichkeiten und will in enger Abstimmung mit anderen einschlägigen Vereinen generell die Kinderfreundlichkeit verbessern.

In der Allgemeinen Laberzeitung am 8. Dezember 2001